Unternehmenskauf – wie schreibe ich eine gute Absichtserklärung?

Unternehmenskauf – wie schreibe ich eine gute Absichtserklärung?

 

Wieso eine Absichtserklärung?

Bei einem Unternehmenskauf benützt der Käufer oftmals die Absichtserklärung um einen geplanten Unternehmenskauf – die Transaktion – zu beschreiben. Das Dokument soll dabei als Verhandlungsgrundlage im Sinne einer (unverbindlichen) Offerte dienen und sicherstellen, dass beide Parteien die Kernpunkte der geplanten Transaktion verstehen und somit keine Missverständnisse entstehen.

Der Transaktionsprozess im Überblick

  1. Unternehmenssuche
  2. Analyse und Bewertung der Zielfirma
  3. Absichtserklärung
  4. Due Diligence
  5. Vertragsabschluss und Übergabe

Die Absichtserklärung ist ein sehr wichtiges Dokument und eines der ersten schriftlichen Dokumente, welches der Verkäufer vom Käufer erhält. Somit dient sie de facto die Visitenkarte des Käufers. Sie ist zwar aus rechtlichen Gründen als Dokument unverbindlich, sie muss aber dennoch einen seriösen und durchdachten Eindruck hinterlassen, denn Klarheit schafft Vertrauen.

Eine gut und klar geschriebene Absichtserklärung macht einen anderen Eindruck als ein diffus und vage geschriebener Text. Der Verkäufer wird dies unweigerlich realisieren und sich die Frage stellen ob er dem Verkäufer vertrauen kann. Zweifelsohne ist dies eher möglich wenn die Absichtserklärung möglichst sehr spezifisch auf die einzelnen Punkte der geplanten Transaktion eingeht, so dass der Käufer praktisch vor Augen hat wie schnell und realistisch er sein Geschäft verkaufen kann.

Eine schlecht geschriebene Absichtserklärung kann eine Transaktion zu Fall bringen, da der Verkäufer dies als mangelndes Interesse interpretieren kann oder auch Zweifel über die Qualität und Absichten des Käufers entstehen können.

Eine Absichtserklärung sollte in diesem Stadium am Besten ohne Beizug von Anwälten erstellt werden, um den Text möglichst auf die geschäftlichen Aspekte zu fokussieren und umständliche Sprache zu vermeiden. Klarheit ist das Ziel. Die rechtlichen Aspekte werden dann erst relevant wenn es zum Kaufvertrag kommt.

Erfahren Sie nachfolgend wie man eine Absichtserklärung schreibt und welche wichtigen Punkte man darin ansprechen sollte.

 

Die Bestandteile einer guten Absichtserklärung

 

Adressat und Art der Offerte

Die Offerte der Absichtserklärung sollte an den/die Inhaber des Unternehmens gerichtet sein und klar definieren auf welche Aktiven undoder Gesellschaft sich die Offerte bezieht (z.B. GmbH X). Es ist klar herauszustreichen, dass sich die Offerte um eine rechtlich-nicht bindende Absichtserklärung handelt und sich der Käufer vorbehält, gegebenenfalls vom Vertrag zurückzutreten. Es ist auch zu empfehlen eine Passage einzusetzen, welche hervorhebt, dass die Offerte auf vertraulicher Basis erstellt wurde und nicht an unbeteiligte Dritte weitergeleitet werden darf.

 

Kurzporträt des Käufers

Um Vertrauen herzustellen empfiehlt es sich den Käufer kurz vorzustellen und seine betrieblichen Fähigkeiten hervorzustreichen. Zweck ist die Glaubwürdigkeit des Käufers herauszustreichen um Vertrauen aufzubauen, dass der Betrieb weitergeführt werden kann und sich von weniger glaubwürdigen Käufern abzugrenzen.

 

Absicht des Käufers

Dieser Abschnitt sollte generell gehalten werden und herausstreichen, um was es bei der geplanten Transaktion geht (z.B. Synergien realisieren, Wachstum ermöglichen, Know-how erwerben) und welche Absicht der Käufer mit der erworbenen Firma hat. Dieser Text ist möglichst generell zu halten.

 

Kaufpreis

Hier sollte festgelegt werden welcher Betrag für wievel Prozent des Eigentumanteils der Firma gezahlt werden soll und in welchen Tranchen die Zahlung erfolgen soll. Der Käufer wird – je nach Transaktion – eventuall auch einen Teil des Kaufpreises zurückbehalten wollen (ca. 10% – 20%) um sicherzustellen, dass eventuelle Gewährleistungen und Garantien gedeckt sind.

Es sollte auch definiert werden, wie eventuell vorhandene Aktionärsdarlehen zu behandeln sind. Ob die zurückgezahlt werden oder der Kaufpreis auch die Ablösung dieser Darlehen beinhaltet.

 

Übergabedatum

Es soll ein geplantes Übergabedatum sowie Zeitplan definiert werden, um aufzuzeigen, dass die Transaktion innert nützlicher Frist auch tatsächlich durchgeführt werden kann. Nach Unterzeichnung der Absichtserklärung müssen diverse Arbeiten in Angriff genommen werden. Dies sind (1) Due Diligence des Käufers wo der Verkäufer vor allem den Zugang zu den benötigten Informationen sicherstellen soll, (2) Ausarbeitung des Kaufvertrages, (3) Aushandeln der evtl. neuen Arbeitsverträge für das Management, (4) Vorbereitung der Abschlussbilanz etc. Der Käufer wird normalerweise den Kaufvertrag ausarbeiten wollen, da er wichtige Konditionen darin in seinem Interesse regeln will. Es sollte auch aufgezeigt werden, was passiert wenn das Datum nicht eingehalten werden kann.

 

Kaufpreisanpassung

Bei jedem Unternehmenskauf gibt es ein Stichdatum für die Übergabe. Das heisst, die Kontensalden der Bilanz werden anders sein, als bei der Bewertung ursprünglich angenommen. Da sich daraus relevante Bewertungsunterschiede oder gar zusätzlicher Finanzierungsbedarf ergeben kann, legt der Käufer meist einen Mechanismus fest, wie der Kaufpreis adjustiert werden soll wenn bestimmte Bedingungen nicht erfüllt sein sollten. Dies muss möglichst früh kommuniziert werden um Missverständnissen vorzubeugen. Meist werden deshalb benötigte Bestände per Übergabetag an Nettoumlaufvermögen definiert, die maximal erlaubte Nettoverschuldung (Finanzielle Verpflichtungen minus Cash) sowie allenfalls das benötigte Anlagevermögen.

Ein Trick den einige Verkäufer probieren ist es kurz vor der Transaktion Geld oder andere Aktiven aus der Firma herauszuziehen, z.B. in Form einer Dividende oder auch durch die Rückzahlung eines Aktionärsdarlehen. Der Käufer hat kein Interesse daran, dass dem Unternehmen Substanz verlorgen geht. Deshalb sollte man eine Klausel anbringen, welche die Entnahme durch Dividenden oder Rückzahlung eines Aktionärsdarlehens untersagt.

 

Management

Eine gute Absichtserklärung geht auch auf das Management ein. Es muss definiert werden, wer die Firma führen wird, welche Aufgaben und Positionen das bisherige Management erhält oder allenfalls wie lange sie noch zur Verfügung zu stehen haben, um am Anfang noch benötigte Unterstützung zu leisten. Wichtig ist von Anfang an sehr klare Signale an diejenigen Schlüsselpersonen zu senden, welche für die Fortführung des Geschäftes wichtig sind.

 

Gewährleistung des Verkäufers

Hier geht es darum, Garantien vom Verkäufer zu erlangen, dass alle Informationen wahr und korrekt sind, dass alle aufgelisteten Aktiven sich tatsächlich im Besitz der Firma befinden und keine wesentlichen Informationen zurückgehalten wurden.

 

Konkurrenz- und Abwerbeverbot

Der Käufer muss sich davor schützen, dass der Verkäufer hingeht und sein Geschäft einfach wieder selber aufbaut um den Käufer zu konkurrenzieren. Der Verkäufer könnte schlichtwegs auch seine alten Kunden wieder kontaktieren und Ihnen den gleichen Service zu einem etwas billigeren Preis bieten, da er schliesslich die Preise und die Kunden kennt. Dies soll unterbunden werden. Deshalb wird meist auf einem Konkurrenzverbot von 2 – 3 Jahren (je nach Land) bestanden und es wird auch verboten Kunden mitzunehmen oder wieder zu kontaktieren.

 

Spezifische Punkte der Transaktion

Je nach Transaktion sollten weitere Punkte explizit erwähnt werden, die allesamt eine materielle Bedeutung haben. Dies kann z.B. Punkte über eine geplante Restrukturierung sein, geplante Investitionen, Refinanzierung, ein Earn-Out etc. welche alle etwas nähere Erklärung bedürfen.

 

Exklusivität

Wenn man sich ernsthaft als Käufer mit einer Transaktion befasst, bedeutet das Kosten und Zeit die man investiert. Insbesondere muss man bei einer Due Diligence meist Spezialisten (Berater, Industriespezialisten, Anwälte) beiziehen. Wenn man sich die ganze Mühe macht, muss man ziemlich sicher sein, dass der Verkäufer das Unternehmen einem auch verkaufen will  und der Verkäufer nicht gleichzeitig mit anderen potenziellen verhandelt. Die Zeitraum der Exklusivität sollte so gewählt werden, dass darin die Transaktion abgeschlossen werden kann (meist zwischen 3 – 4 Monaten) was für einen seriösen Verkäufer normalerweise kein Problem ist. Falls keine Exklusivität erhältlich ist, heisst dies das der Verkäufer möglichst den Preis hochtreiben will und somit für den Käufer potenziell Kosten entstehen ohne sicherzustellen, dass die Transaktion durchgeführt werden kann.

 

Kosten

Um Missverständnissen vorzubeugen sollte festgehalten werden, dass jede Partei seine eigenen Kosten trägt.

 

Due Diligence

Es sollte ein Kommentar eingefügt werden über die beabsichtigte Due Diligence um sicherzustellen, dass man auch Zugang zu den Informationen erhält. Als gute Praxis, sollte man sich auch verpflichten, keine Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten des Verkäufers zu kontaktieren ohne vorherige Genehmigung des Verkäufers, da dies natürlich eine vorabsehbare Forderung ist.

 

Wesentliche Bedingungen zum Vertragsabschluss

Hier sollte man aufzeigen, an was für Bedingungen ein erfolgreicher Vertragsabschluss geknüpft ist. Z.B. dass das Geschäft stabil weiterläuft, die Due Diligence zur vollen Zufriedenheit ausfällt, dass die benötigte Finanzierung steht, dass der Käufer allfällige Haftungsrisiken für die Zeit vor Übergabe übernimmt, etc.

 

Vertraulichkeit

Man sollte hier die vollste Vertraulichkeit zusichern. Die beste Praxis ist allerdings den Zeitraum einzuschränken, z.B. auf 2 – 5 Jahre oder 12 – 24 Monate nach Ende der Verhandlungen.

 

Rechtsstand

Die Natur der Absichtserklärung ist rechtlich gesehen zwar nicht- bindend, es gibt aber wohl Klauseln (z.B. Vertraulichkeit, Eklusivität, Kosten) die rechtlich bindender Natur sind. Deshalb sollte man für diese Klauseln definieren, welches Recht zur Anwendung kommt und welchen Gerichten diese Komponenten unterstehen.

 

Unterzeichnung

Die Absichtsunterklärung als Offerte sollte zeitlich limitiert werden und bei Einverständnis sollte vom Verkäufer gegengezeichnet werden.